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Kapitel V

Dass der Krieg aus war, stellten wir fest, als plötzlich an einem Nachmittag drei
oder vier Panzer ins Dorf rollten. So ein komisches Gefährt mit Löchern, aus denen
Männer herausschauten, hatten wir noch nicht gesehen und wussten auch nicht,
dass es amerikanische Soldaten waren. Viel wichtiger war, dass sie uns etwas
Süßes schenkten, das sie selbst ‚Chewing-Gum’ nannten und meinten, wir sollten
es beim Kauen nicht herunterschlucken.


     Foto 3:  Konnefelder Schulkinder

Als ich 7 Jahre war, kam ich zur Schule – mit kleiner Schiefertafel, daran hingen zwei
gehäkelte Lappen und zwei Griffel. Es gab für alle Klassen nur einen Raum und wir
Schulanfänger saßen in der ersten Reihe (Foto 3). Lehrer Dittmar, der mit seiner Familie
nebenan wohnte, war streng, aber er spielte Geige und wir sangen lauthals mit, wenn
er damit aufspielte. Sogar auf unseren Wanderungen ging er mit der Geige voraus und
wir wanderten ‚im Frühtau zu Berge’ hinter ihm her oder schmetterten: „Wem Gott will
rechte Gunst erweisen, den schickt er in die weite Welt’. Ich sang laut mit, den Sinn des
Textes verstand ich noch nicht und so konnte ich auch nicht ahnen, dass ich von
‚meinem’ kleinen Konnefeld aus später einmal wirklich viel von der Welt kennen lernen
sollte.

Dazu beigetragen haben auch die Bücher, die ich mit großer Begeisterung las und zu
meinen besonderen, noch heute gut gehüteten Schätzen gehörten der Indianerhäuptling
‚Tecumseh’, und eine Reise ‚Ins verbotene Tibet’. Es dauerte allerdings noch 30 Jahre,
bis ich zum erstenmal Amerika erlebte und noch weitere 20 Jahre, um allein mit meiner
Frau durch Tibet zu reisen.

Kapitel VI


     Foto 4:  Vogelhochzeit

Noch immer konnte man nicht alles kaufen, was man zum Essen und Leben brauchte.
Vieles war rationiert und die Lebensmittelkarten waren ebenso wichtig wie bares Geld.
Wir Schüler bekamen in der Schule jeden Tag eine warme Mahlzeit, meistens Erbsen-
suppe, aber oft auch eine Schokoladensuppe, die ich ganz gern mochte.

Der einzige Schulraum wurde jedoch bald zu klein und es wurde weiter hinten ein
zweiter angebaut. Gleichzeitig kam Lehrer Albat zu uns jüngeren Kindern und er lehrte
uns, dass Lernen auch auf die spielerische Art erfolgen kann. Wir führten vor
unseren Eltern im Saal hinter einer großen Leinwand das Schattenspiel ‚Wer will
fleißige Handwerker sehn’ auf oder die ‚Vogelhochzeit’ (Foto 4) oder verbrachten
einen ganzen Tag am Hain (Foto 5), den ein richtiger Konefelder mundartlich wie ein
männliches Hühnchen ausspricht und dort wo sich die Hühner aufhalten, nennt man
wohl ‚Hinnerdeese’. Okay, es war ein Versuch, ich lasse es lieber sein.


     Foto 5:  Gruppenfoto auf dem Hain

Ein weiteres Foto habe ich noch von einem Ausflug mit dem Dampfer Elsa nach Hann.-
Münden (Foto 6). Schade, dass Fotografieren noch nicht so einfach war wie heute.
Später ging ich nach Melsungen zum Gymnasium. Heute werden die Kinder mit Bus
zur Schule gefahren, doch ich musste schon als 10-jähriger jeden Morgen mit dem
Fahrrad nach Altmorschen zum Bahnhof – und das bei jedem Wetter, wobei es im
Winter besonders schwierig war. Gott sei Dank gab es noch andere Frühaufsteher,
u.a. mein Vater, die bereits Spuren im Schnee hinterlassen hatten.


     Foto 6:  Ausflug nach Hann.-Münden

1954 zogen wir wieder nach Kassel, ich machte dort das Abitur, ging zum Studium nach
Hamburg, heiratete und gründete dort eine Familie. Einer unserer beiden Söhne heiratete
nach Amerika und dort verbringen wir nun also die meiste Zeit unseres Lebens. Bei all
unseren vielen Reisen durch die Welt und insbesondere aus beruflichen Gründen in den  
letzten Jahren viele Male nach Russland und China, stelle ich nun fest, dass ich Konne-
feld vernachlässigt habe.


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