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Alles liegt so weit zurück. Wäre es nicht an der Zeit, wieder einmal in die alte Heimat
zurückzukehren? Ja, ich werde es tun. Gemeinsam mit Lorelai, wenn sie ein wenig älter
ist. Wir werden, von Neumorschen kommend, unser Auto in der Nähe des Sägewerkes
abstellen. Vor dem Haus, in dem wir zuletzt gewohnt haben. Dann gehen wir die Dorf-
straße hinauf, vorbei an Dielings Gaststätte, Laden und Post, mit den so zahlreichen
Erinnerungen. Hier habe ich zum erstenmal geraucht. 6 Zigaretten en einem Nach-
mittag – und danach nie wieder. Hier habe ich zum erstenmal Bier getrunken. Aus
einem gläsernen Stiefel - und da ich so ungeübt war, gluckerte es ständig und ich
musste zur Strafe jeweils einen Steinhäger  trinken. Bier mag ich noch heute, doch
einen Steinhäger habe ich nie wieder angerührt.

Wir biegen rechts in das Gässchen ab und gehen hoch zur Schule. Ich werde Lorelai
in das Fenster meines ersten Klassenraums schauen lassen. An der großen Linde zeige
ich ihr die Sprunggrube, in der ich es allerdings nie zu großen sportlichen Leistungen
gebracht habe. Dann rütteln wir an der Kirchentür. Sie wird bestimmt verschlossen sein.
Wer hat den Schlüssel? Über den Kirchhof gehen wir zu der kleinen Linde, meinem
bevorzugten Spielplatz, mit der steinernen Mauer ringsum und dem Steintisch. Hier haben
wir die Maikäfer gejagt und tagelang in löcherigen Kästchen gefangen gehalten. Ob sich
gegenüber noch die ganz alte Schule befindet, die dem Schulrain den Namen gab?

Am Schulrain werden wir uns länger aufhalten. Ich werde ihr das Haus zeigen, in dem
ich als kleiner Junge gewohnt habe. Und dort in dem Kuhstall, ja, mitten drin im Kuhstall,
das war unsere Toilette. Lorelai, das glaubst Du nicht? Wenn ich dort ‚mein Geschäft’
erledigte’, wedelten mir die Kühe mit ihren Schwänzen vor der Nase herum. Wir gehen
dann durch das obere Dorf Richtung Gipsbruch, hinaus in die Felder. Wir werden
draußen picknicken und vermutlich wird Lorelai fragen, warum wir nicht vorher bei
Starbuck’s einen Cappuccino trinken und bei MacDonald’s einen Hamburger essen
könnten. Ich bin sicher und hoffe es sehr, das es dies in Konnefeld nicht gibt. Wir
umrunden das ganze Dorf und kommen von der anderen Seite wieder zurück und
gehen dann zur Fulda. Ob man heute noch im Fluss baden kann?

Wird alles noch so sein, wie ich Konnefeld zuletzt erlebt habe? Im Internet habe ich
bereits festgestellt, dass sich einiges verändert hat. Neue Straßennamen und sogar eine
Umgehungsstraße. Manches wird es nicht mehr geben, vieles wird neu gebaut sein.
Was ist dann mit meinen Erinnerungen? Werde ich  enttäuscht sein, dass es mein altes
Konnefeld möglicherweise nicht mehr gibt? Sollte man nicht doch lieber die Vergangen-
heit ruhen lassen? Nein, ich werde kommen. Ich muss es tun.


Hans-Jürgen Becker

Fresno/Kalifornien (USA)
2. November 2008

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