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Kapitel I

Am 29. Aug. 2011 machte ich endlich mein Versprechen wahr und kehrte zurück in meine
Kindheit. Eigentlich sollte meine amerikanische Enkelin Lorelai dabei sein und sie war im
Sommer ganz begeistert und aufgeregt von Kalifornien nach Deutschland gekommen.
Aber mit ihren nun 3 ½ Jahren hätte sie den Besuch in Konnefeld nicht verstanden. Das
war schon schwer genug für meine Frau, die mich begleitete, und um ganz ehrlich zu sein,
emotional auch für mich.

Als Entschuldigung für Lorelai könnte ich ja auch sagen: es gab ja kein McDonalds in
Konnefeld, noch nicht einmal ein Cafe, wo wir ein Stück Kuchen und eine Limonade hätten
kaufen können, kein Eisladen und – oh my god, noch nicht einmal eine öffent­liche Toilette.

Und wie war das noch vor 50 – 60 Jahren? Ich erinnere mich an 3 Lebens­mittelgeschäfte,
eine Metzgerei, eine Gast­wirtschaft, eine Post, eine Schule, viele Gewerbebetriebe und an
der Schule Toi­letten für Jungs und Mädchen. Die Welt hat sich geändert – und Konnefeld
auch. Um es aber gleich vorweg zu sagen: ich fühlte mich trotzdem vom ersten Augenblick
an wie zu Hause und es war, als wäre ich nie weg gewesen. Obwohl mein Leben hier ja weit,
sogar sehr weit zurücklag: von 1943 bis 1954. Eine Zeit, die mein späteres Leben stark ge-
prägt hat.



   Abb. 1

Also, wir kamen mit dem Auto von Neu­morschen und im Internet hatte ich bei Google be-
reits gesehen, dass wir vor dem Ortsschild nicht links weiterfahren dürfen, denn dann
wären wir gleich in Nieder­ellenbach. Da gibt es doch tatsächlich eine Umgehungsstraße
und man ist im Nu an Konnefeld vorbei. Also rechts den kleinen Anstieg hoch, der mich
früher mit dem Rad ein wenig aus der Puste brachte und dort wartete eine Überraschung
auf uns. Wir wurden begrüßt. Nein, nicht vom Bürger­meister oder Gemeinderat, nein, von
Konnefeld selbst: Willkommen stand dort auf dem Schild und ich kniete ehrfürchtig
nieder. (Abb. 1)

Wir stellten unser Auto mitten auf dem Sägewerk ab, zwischen den langen Baum­stämmen,
die hoch gestapelt dort lagen und den Arbeitern, die da­zwischen geschäftig herumwuselten.
Die Sägen kreischten und Lastwagen wurden mit Brettern beladen. So wäre es gewesen,
wenn – ja, wenn die alte Zeit still gestanden hätte. Ein wunderbarer freier Platz war es nun,
mit viel Grün, einer kleinen Wind­mühle und einem Kürbis auf einem Stuhl und als ich ausstieg,
sah ich, wie sich bei einigen Fenstern die Gardinen bewegten und uns neugierige Blicke zu­-
geworfen wurden.

Es hatte sich sehr schnell herumgespro­chen, dort steht ein Auto mit unbekanntem Kenn-
zeichen an einer Stelle, wo es nicht stehen sollte. (Abb. 2) Ein Mann fotografiert die Häuser,
eine Frau schaut ihm zu. Nun schleicht er die Treppen hoch, schaut auf die Namensschilder
und schüttelt den Kopf. Ja, so war es tatsächlich. Vor uns lag das Haus, in dem wir von 1949
bis 1954  ge­wohnt hatten und ich hoffte, die Namen Ernst oder Karl Stange wiederzufinden.

Auch im Nachbarhaus hoffte ich auf einen bekannten Namen, aber in beiden Fällen wurde
ich ent­täuscht. Kein ‚Stange‘ und  keine ‚Entzeroth‘.  Wo sind sie hin? Was ist alles in den
letzten 55 Jahren passiert?



   Abb. 2


Kapitel II

In der für mich neuen Siedlung, sozusagen ‚Neudorf‘, hatten wir mehr Glück. Eine Frau schaute
aus dem Fenster und beobachtete uns bereits von weitem. Als wir näher kamen, grüßte ich:
„Darf ich Sie nach Ihren Namen fragen?“ – „Ja. Heiwig.“ – „Sind Sie mit Oskar verheiratet?“ –
„Jaaa und...“ –„Mein Name ist Hans-Jürgen und ich bin der Sohn von Gerda Becker. Meine
Mutter war eine Freundin Ihrer Schwieger­mutter“. –„Ja, ich weiß.“ Und dann kamen wir ins Ge-
­spräch und sie bat Oskar - ohne zu sagen warum - aus dem Haus und er brauchte einige Zeit,
um mich einzuordnen. Das galt allerdings auch für mich, denn wir dürfen nicht vergessen,
55 Jahre sind doch ein lange Zeit und es könnte sein, dass wir uns ein klein wenig verändert
haben. Ein wenig, aber wirklich nur ein klein wenig.

Ein paar Schritte weiter zur Dorfstrasse hin hatten wir dann unser nächstes Gespräch. Auf dem
Hof von Nöding unterhielten sich 2 Männer, während es sich 3 Frauen im Strandkorb bequem
gemacht hatten. Der Himmel war bewölkt, aber die Sonne schien und es wehte ein kühler Wind –
ganz  wie an der Nordseeküste. Gesprächsauslöser war die Girlande über dem Hofeingang. „Wird
hier eine Hochzeit ge­feiert oder ein Jubiläum oder sogar Kindtaufe?“ – „Nein, nein, nur so aus
Spaß.“ Ich kannte die Männer nicht und auch nicht die Frauen und sie kannten mich nicht.

Ich erzählte von meiner Vergangenheit und erwähnte den Namen meiner Mutter Gerda Becker.
„Ach ja, die Becker’sche“,  meinte Herr Georg  Hiege und man sah ihm die 80 Jahre nicht an. Das
macht bestimmt die gute Landluft. Sie kann zwar nicht verhindern, dass man sich verändert, aber
sie sorgt dafür, dass man nicht altert.

Fortsetzung folgt ...

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