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Kapitel III

Die Luft war gut, aber anders. Das wurde mir klar, als wir weiter Richtung Dorfmitte gingen
und ich ver­suchte herauszufinden, warum. Aber es gelang mir nicht. Wir gingen an den
Häusern vorbei und ich schaute sie mir genau an. (Abb. 3).



   Abb. 3

Bei Goethe sind ‚Namen Schall und Rauch‘. Nicht für mich – und so versuchte ich mich zu
erinnern. Hier wohnten die Gramms, dort Kirchners, das hier müssten die Spills sein. Und
nun wusste ich, was mir bisher gefehlt hatte, optisch und geruchsmässig: die Misthaufen.
Ob Ihr es glaubt oder nicht; der Geruch eines Misthaufens, und das meine ich ganz positiv,
das ist Konnefeld in meiner Erinnerung. Jeder Ort entwickelt seinen Geruch: in Hamburg
riecht es nach Wind und Wasser, in San Francisco riecht es immer nach Frühling, in Shanghai
riecht es nach Diesel, in Fresno im Hochsommer nach Blütenstaub und Smog - und wie sollte
es in Konnefeld riechen? Der ‚feine‘ Geruch eines dampfenden Misthaufens. Damals lagen
sie vor fast jedem Haus direkt an der Straße, nun waren sie eine Seltenheit und ich er­blickte 3 -
und ich machte natürlich Fotos. Thomas Büttner schickte mir später eine Mail und erwähnte
einen Nachbarn, der überhaupt nicht verstehen konnte, dass ich seinen Misthaufen von allen
Seiten foto­grafiert hatte – und er fragte, warum tut er das? (Abb. 4)



   Abb. 4

Nun standen wir vor Dielings früheren Gastwirtschaft (Abb. 5)  –  und im selben Gebäude
neben­­an waren das Lebensmittel­geschäft und das Postamt. Hier trank ich mein erstes Bier,
wurde beschwipst von meinem ersten Schnaps und rauchte meine ersten und letzten Zigaretten.
Hier gab es beim Kauf der Sanella-Margarine Bilder, die ich z.B. in ein ‚Heidi‘-Album einklebte
(und noch heute besitze) und wunderte mich, dass man immer 2 Briefmarken für einen Brief oder
Karte kaufen musste. Dass es ein ‚Berlin-Opfer‘ war, verstanden wir Kinder nicht. Dafür hatten
unsere Eltern genug andere Probleme. Das Haus war so, wie ich es in Erinnerung hatte. Nichts
hatte sich geändert – oder fast nichts. Hier war die Stalltür, dort stand mal die Jauchepumpe.



   Abb. 5

Ich erinnerte mich, wie ich Anneliese beim Stallsäubern half und mit der zuletzt ein­zigen
Kuh die Jauche aufs Feld fuhr. Ich erinnerte mich, wie Anneliese mir zeigte, das Korn
zu ernten und die Garben mit Halmen zu binden und wie man das Heu zum Trocken
wenden musste. Ich stieg die Treppe hoch, nicht um auf das Namensschild zu blicken
(Ich wusste, dass dieses Haus verkauft war und Oskar und Anneliese bereits vor vielen
Jahren dahinter gebaut hatten), ich stieg hoch, um alles ein wenig besser zu genießen
und einen besseren Blick ringsum zu haben. Und dann stand ich vor der Tür und las:
‚Die Suche hat ein Ende (Abb. 6). Sie sind am Ziel‘. Wie für mich gemacht. Ich hatte
Konnefeld seit langen Jahren ‚gesucht‘ – nun hatte ich es gefunden. Ich war wieder
zurück.



   Abb. 6



Fortsetzung folgt ...

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