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Zurück in die Kindheit ... von Hans-Jürgen Becker

Kapitel VI

Zurück auf der Umgehungsstraße machte ich mein Lieblingsfoto – die ‚Skyline‘ von Konnefeld (Abb. 11) und dieses Bild werde ich mir aufhängen. Ausdrucken werde ich wohl auch zum Spaß den Bus-Fahrplan Spangenberg – Morschen. Ich musste an 1946 denken, als ich mit Scharlach in Spangenberg im Kranken­haus lag und meine Mutter mich täglich besuchte. Wie  kam sie hin und zurück? Mit dem Fahrrad, nicht so einfach, aber anders war es nicht möglich. Und heute? Sie hätte den Bus um 7.12 Uhr nehmen können und um 12.35 Uhr wieder zurück. Und sie hätte mir frische Tomaten mitbringen können, denn unser kleiner Garten lag nur 20 m hinter der Bushaltestelle.



    Abb. 11

Nachmittags hatten wir uns mit Thomas Büttner verabredet, mit dem ich seit zwei Jahren E-Mails aus­tausche und dem ich dankbar war, dass er nun mit uns noch einmal eine Tour durch den Ort machte. Er gab uns all die Informationen, die uns bis­her gefehlt hatten und erzählte uns von den Menschen, die Konnefeld verlassen und andere, die neu hinzugezogen waren. Aber auch von denen, die als Töchter ihren Namen geändert hatten – und so musste ich erfahren, dass noch immer einige Ein­wohner weit­läufig mit mir verwandt sind, aber nur noch wenige heißen ‚Becker‘, dafür z.B.  Ackermann, Aubel, Hiege oder Assbrand. Das Namensschild Asbrand war mir bereits am frühen Morgen aufgefallen und hätte ich ge­klingelt, dann wäre (Vor­name) Asbrand sehr erstaunt gewesen, aber seine Frau Marianne hätte mich wieder­erkannt – und das hat sie dann auch, als wir uns später noch zufällig trafen und wir uns kurz über unsere Kindheit unter­halten konnten.

Die ganz alte Schule gibt es nicht mehr, meine Schule ist verwaist (bzw. ist heute das Ge­meinde­haus), der alte blumen­übersäte Friedhof ist eingeebnet, die alte große Linde ist ab­geholzt und der Platz ist neu gestaltet, die Kirche dagegen hat die Zeit überdauert – und was ist mit dem Lindenplatz mitten im Dorf, an dem die heutige Lindenstraße vorbeiführt?

Es gibt ihn noch, seit Jahrhunderten unverändert mit seiner alten rissigen Mauer, an einigen Stellen nachgebessert, mittendrin der Baum und der Steintisch, an dem Recht ge­spro­chen und Ver­sammlungen abgehalten wurden. Ich wage mal folgende Behaup­tung: Würde dieser Platz in Florenz, Prag oder Trier stehen, dann wäre er das Ziel vieler Tou­risten, die Fotos von allen Seiten machen würden – und so mache ich es hier auch. (Abb. 12)  Hier war ich mit meinen Freun­den, und insbesondere mit Karl, täglich zum Spielen.



   Abb. 12

Doch ach, was muss ich feststellen? Wo ist ‚mein‘ alter Tisch geblieben, wo ist ‚meine‘ Stein­bank, die direkt in die Mauer ein­gelassen war? Wo sind all die Überbleibsel der Ver­gangenheit? Das kann doch nicht wahr sein? Wer hat ein solches denkmal­geschütztes Relikt vernichtet und wie konnte man so etwas zulassen? Oder ist die Steinplatte, die Jahrhunderte überlebt hatte, zerbrochen? Einfach so. Nein, das kann ich nicht glauben.

Aber dann gibt es doch noch ein erfreu­liches Erlebnis. Auf unserem weiteren Rund­gang führt uns Thomas zu  Marie und Ger­hard Hiege, die in ihrem Garten arbeiten. (Abb. 13) Marie ist 10 Jahre älter als ich und Gerhard wesentlich jünger – und ich kenne sie nicht. Ich vermute, dass Thomas dies arrangiert hat, denn beide kennen mich und noch viel besser, beide sind nicht nur weit­läufige Verwandte von mir, sondern Marie kennt sich in der Becker‘schen Vergangen­heit viel besser aus als ich – und während sie erzählt, kommt die Erinnerung wieder: Ackermann’s und Geburtstagsfeiern und Kuchen – und ich sehe das Haus vor mir, dort drüben, ich sehe die  Küche und meine, die Menschen zu erkennen, die um den großen Tisch herum sitzen.



   Abb. 13

Den Abschluss bildet der Besuch bei Anne­liese und Oskar Musolff. Meine Mutter hatte bis zu ihrem Tod Kontakt zu den beiden und zu ihren Kindern – und die meisten Erinnerungen, die ich zu Konnefeld habe, haben auch mit Anneliese und Oskar zu tun. Oskar ist wie ich in 1943 nach Konne­­­feld gekommen und hat es im Gegen­satz zu mir nie wieder verlassen. Was wäre ge­wesen, wenn auch ich ....?

Ich hätte die Entwicklung Konnefelds kontinierlich mit­erlebt und wäre nun nicht überrrascht worden, ich wüsste die Namen aller Konne­felder, ob jung oder alt und würde auch alle Verwandten noch kennen, wäre vielleicht Mitglied im Schützenverein oder bei der Feuerwehr oder im Gesangsverein. Und ich würde mich bestimmt auch für das ganz alte Konnefeld interessieren, so wie es Oskar zur Zeit tut. Seine Sammlung alter Fotos ist großartig und ein einzigartiges Dokument.

Fortsetzung folgt ...

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