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Thomas Büttner

In vielen Dörfern Nordhessens finden sich noch historische Gerichts- und Versammlungs­stätten, die gemeinsam mit den alten Wehrkirchen das Ortsbild prägen. Die Gerichtsstätte war in vergangenen Zeiten der weltliche, die Kirche der konfessionell-geistige Mittelpunkt eines Dorfes.[1] Zusammen mit dem Schulgebäude und dem Pfarrhaus bildeten sie das Zentrum des örtlichen Gemeinschaftslebens.

In Konnefeld ist die ehemalige, von einer Steinmauer gefasste Gerichtsstätte dem Kirchhof östlich vorgelagert.[2] Eine hoch aufragende Linde steht mittig auf dem annähernd quadra­tischen Platz. Mit dem Lindenbaum ist ein weiteres typisches Gestaltmerkmal nord­hessischer Dörfer gegeben. Sie finden sich nicht nur auf ehemaligen Gerichts- und Ver­samm­lungsplätzen, sondern auch auf Kirch- und Friedhöfen. Ein sehr schönes Beispiel ist die Lindengruppe gegenüber dem Schützenhaus auf dem alten Konnefelder Friedhof.



   Die alte Gerichts- und Versammlungsstätte in Konnefeld.
   Foto: Thomas Büttner, 2013

Allgemein wurde die äußere Gestalt einer Dorfgerichtsstätte durch ihre Funktion bestimmt. Häufig umzog wie in Konnefeld eine niedrige Mauer den Gerichtsplatz. Innerhalb dieser Umgrenzung saßen die Schöffen „in gehegtem Gericht“. Hierfür wurden die Linden geleitet, indem man ihre Äste waagerecht über ein Stützgerüst bog und so den Platz unter ein schützendes Dach brachte. Steinerne Bänke auf dem Gerichtsplatz sind oftmals erhalten, vielfach auch später ergänzt worden.[3]   

Für Nordhessen lässt sich nachweisen, dass mindestens seit dem Spätmittelalter unter dem Schatten der Dorflinde Geschäfte getätigt und Recht gesprochen wurde. Es fanden öffent­liche Versammlungen statt, an denen u. a. landesherrliche Gesetze und Verordnungen verkündet wurden. Für die Gemeindeversammlungen sind die Männer des Dorfes unter die Linde geläutet worden. Auch der Tanz unter der Linde war ein Brauch, der in Nordhessen bis in die beginnende Frühe Neuzeit zurückreicht und noch im 20. Jahrhundert Bestand hatte.[4]

Was wäre der Konnefelder Gerichtsplatz ohne seine Dorflinde? Unter dem Schatten der alten Dorflinde eröffnet sich ein an­mutiger Blick auf den wenige Kilometer entfernt liegen­den Alheimer, der mit einer Höhe von rund 549 m aus dem Stölzinger Gebirge empor­ragt.[5]



   Die Kirche und die Dorflinden steigen aus der Dachlandschaft Konnefelds
   empor. Sie unterstreichen das besondere Gepräge der historischen Orts-
   ansicht. Foto: Thomas Büttner, 2012


Die heute rund 100 Jahre alte Linde ersetzte einen Vorgängerbaum. Aufgrund ihrer statt­lichen Höhe von gut 20 m ragt sie über die Dachlandschaft Konnefelds empor und prägt zusammen mit dem Turm der St. Margareten Kirche die Silhouette des Dorfes. Dem Spazier­gänger in der Fuldaaue erschließt sich dieses Bild besonders eindrucksvoll.

Die Konnefelder Dorflinde war ein beliebter Spielort für Kinder. Rote und weiße Steine wurden auf dem alten Gerichtstisch zu Mehl geklopft und in Gläser verfüllt. Über den ein­gefärbten Gerichtstisch war der damalige Dorflehrer Karl Ditmar, der für seine Strenge be­kannt war, stets erbost.[6] Auch das Murmelspiel wurde unter dem Schatten der Linde von Kindern ausgetragen, ganz zu schweigen von dem Versteckspiel.

Der Lindenbaum beschattete bis in die jüngere Vergangenheit einen aus Sandstein gefertigten Gerichtstisch, der in der nordöstlichen Ecke der Versammlungsstätte stand. Die rechteckige Steinplatte ruhte auf zwei Steinsockeln und besaß Ausbuchtungen (Abschlägen) auf der Ober- und Unterkante. Zwei lang­gezogene Sitzsteine ohne Füße dienten als Stein­bänke, die direkt in die Umfassungsmauer eingelassen waren. Eine Bank stand am nörd­lichen Kopfende des Tisches, die andere war dieser zum Kirchhof hin längs vorgelagert.[7]

Wie so viele Dinge auf dem Lande den Aufbruch in die moderne Zeit nicht überstanden haben, so musste auch der historische Gerichtstisch weichen. Seinen ursprünglichen Nutzungszweck hatte er längst verloren, er war mehr Hindernis als Zierde. So wurde der Steintisch Ende der 1960er Jahre zerschlagen. Das anfallende Bruchmaterial ist in den alten, ausgetretenen Fußweg verfüllt worden,[8] der einst von Norden zur Dorflinde führte und dabei unmittelbar entlang der Kirchhofmauer verlief. Die heute noch in der Mauer ab­lesbare Öffnung wurde mit Sandsteinen geschlossen. An die Stelle des alten Steintischs wurde seither in der Adventszeit ein Weihnachtsbaum (Fichte) von der Gemeinde aufgestellt und mit Lichterschmuck versehen.[9]

Im Sommer 1999 wurde auf Initiative des ehemaligen Ortsvorstehers Jürgen Köthe (+) aus Konnefeld ein neuer Steintisch und drei Steinbänke aufgestellt[10], ungefähr dort, wo der alte Gerichtstisch stand. „Er wollte immer etwas hübsch machen“, weiß seine Frau Inge Köthe zu berichten.[11] So ging er das Projekt mit dem Eintritt ins Rentenalter an. Ihm zur Seite standen u.a.  Gerd Bingemann (+) und sein Bruder Udo Bingemann, ferner Andre Idziaszczyk, Erich Prinz und Thorsten Stiehl. Nach  Fertig­stellung des Projektes wurde ein zünftiges Lindenfest gefeiert.






   Im Sommer 1999 wird ein neuer Steintisch unter der Konnefelder Dorflinde errichtet.
   Gruppenfoto nach getaner Arbeit. Fotos: Inge Köthe, 1999




Quellen

[1] Eckhardt o.J.; Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen, online
[2] „Gerichtsplatz in Konnefeld“, in: Gerichtsstätten in Hessen (Stand: 27.9.2011)
[3] Eckhardt o.J.; Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen, online
[4] Eckhardt o.J.; Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen, online
[5] Der auf Rotenburger Gemarkung (Landkreis Hersfeld-Rotenburg) liegende Berg eröffnet ein Rundum­panorama in das Kurhessische Bergland.
[6] Inge Köthe, mdl. Auskunft am 27.02.2013
[7] Inge Köthe, mdl. Auskunft am 27.02.2013;  Johannes Nöding, mdl. Auskunft im November 2012
[8] Ggf.  wurden auch Teile bzw.  Bruchstücke in die Lindenmauer eingefügt. Inge Köthe, mdl. Auskunft am 27.02.2013
[9] Inge Köthe, mdl. Auskunft am 27.02.2013
[10] Als Sockel für den neuen Steintisch diente ein Betonring, der mit Pflastersteinen verkleidet wurde. Auf den Ring wurde eine rechteckige Steinplatte gesetzt. Als Material für die Tischplatte und die Steinbänke dienten Sandsteinsteine aus der Deponie in Altmorschen (wohl Bestandteile einer ehem. Treppe).
[11] Inge Köthe, mdl. Auskunft am 27.02.2013

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